Katzenkino -


Katzenkino
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Das Katzenkino

In Zusammenarbeit mit der Biologin und Gastautorin Birgit Rödder catility.de ►

 
Vorbemerkungen
In vielen Haushalten leben Katzen mit Nagern, Vögeln oder Fischen zusammen. Schafft der Halter die richtige Ausgangssituation ist dagegen auch nichts einzuwenden. Das bedeutet, dass alle Tiere artgerecht gehalten werden, ihre Bedürfnisse ausleben können und in keiner Weise einer Gefahr ausgesetzt sind. Was bedeutet, dass jeder Halter sich ausführlich über die Bedürfnisse und Ansprüche an die Haltung des jeweiligen Tieres auseinandersetzt, um dies zu gewährleisten. Wer nicht mit ganzem Herzen ein Nager, Fisch oder Vogelfreund ist, sollte keines dieser Tiere halten!

Katzen, die schon immer mit Nagern, Fischen oder Vögeln zusammen lebten, sehen diese meist nicht mehr als potenzielle Beute an. Kleintiere werden dann Zuhause eher als „Familie“ betrachtet. Jedoch werden Kleintiere außerhalb der Wohnung  weiterhin als potenzielle Beute gejagt. Kleintiere in der Natur kennen Feinde und reagieren mit Flucht, was den Jagdinstinkt der Katze erweckt, während  ein Kleintier in der Wohnung, welches artgerecht gehalten wird, in der Regel nicht auf diese Weise reagiert. Diese Tiere  reagieren meist mit Neugier auf der Hoffung auf ein Leckerchen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!

Trotz allem darf niemals das Kleintier in der Wohnung ungeschützt in der Nähe der Katze sein!


Was ist ein Katzenkino?

Ein Katzenkino kann verschiedenes sein: Ein Nagerheim, ein Aquarium mit Fischen oder Schildkröten, ein Vogelnest oder eine Futterstelle vor dem Fenster. Ein Katzenkino dient vor allem Katzen in reiner Wohnungshaltung zur Unterhaltung. Es soll der Katze Abwechslung und Spaß bereiten. Auch wir Menschen gehen gerne zur Unterhaltung ins Kino und schauen uns einen Film an. Katzen schauen sich eben ein Programm an, das auf sie und ihre Bedürfnisse zugeschnitten wurde.

Wichtig: Das Katzenkino ersetzt nicht die Beschäftigung mit dem Menschen. Er muss weiterhin mit der Katze spielen, so dass diese einen Jagderfolg erzielen kann. Das Katzenkino ist hingegen für den Zeitraum gedacht, in dem der Mensch nicht im Haus ist, damit die Katze eine Beschäftigungsmöglichkeit hat. Dennoch brauchen Katzen auch Jagderfolge, dies kann ein Katzenkino nicht bieten. Aus diesem Grund würde ein Katzenkino alleine zu Dauerfrustration der Katze führen.

Aus der Sicht der Kleintiere
Egal ob ein Meerschwein, Hamster, Farbmaus oder Vögel, alle Tiere müssen sich in ihrem neuen Zuhause einleben. Werden sie artgerecht mit vielen Versteckmöglichkeiten gehalten und haben selber die Entscheidung, ob sie sich uns Menschen oder der Katze zeigen möchten, verlieren sie meist sehr schnell ihre anfängliche Scheu.

Unsere Kleintiere leben seit vielen Generationen mit uns Menschen zusammen. Viele würden in der Natur nicht mehr zurechtkommen, da sie sich dem Leben in der Gefangenschaft angepasst haben. Beispielsweise reagiert eine Feldmaus schon auf den Geruch ihrer Feinde, während eine Farbmaus, die seit Generationen bei uns Menschen lebt, den Geruch einer Katze meist nicht mehr als Stressfaktor wahrnimmt. Sie zeigen am Anfang, egal ob Mensch oder Katze, das gleiche vorsichtige Verhalten. Nach der Eingewöhnung scheint es ihnen egal zu sein, wer sie anschaut.

Wird ein Kleintier allerdings nicht artgerecht gehalten, merkt man das schnell an seinem Verhalten. Es ist sichtlich gestresst und krankheitsanfällig. Darum kann man nicht oft genug betonen, wie wichtig eine artgerechte Haltung mit ausreichend Platz, vielen Versteckmöglichkeiten und möglichst von drei Seiten abgeschirmt ist, damit das Kleintier seine Bedürfnisse befriedigen kann, auch ohne von uns Menschen oder der Katze beobachtet zu werden.


Nagerheim

Wichtig: Das Nagerheim bzw. das Terrarium soll dem Nager Schutz und genügend Rückzugsmöglichkeiten geben. Außerdem darf es weder für den Nager noch für die Katze ein Verletzungsrisiko darstellen. Selbstredend, dass auch die Nager artgerecht gehalten werden wollen. Farbmäuse z.B. sind sehr interessiert an den Katzen und reagieren in der Regel nicht mit Angst. Jedoch brauchen sie genügend Abschirmung, um ungestört ihren Alltag abhalten zu können.  Vorteilhaft ist es, wenn es nur von einer Seite eingesehen werden kann. 

Ein kleiner Nager passt genau ins Beuteschema der Katze. Beim Freigang bietet sich z. B. die Möglichkeit, einer Maus aufzulauern. Eine Katze ist ein so genannter Ansitzjäger, d. h. sie kann sehr lange ruhig vor einem Mauseloch sitzen und dann, wenn die Gelegenheit gekommen ist, mit einem gezielten Sprung die Maus erbeuten. Also ist eine Katze eigentlich schon bei der Jagd, wenn sie vor einem Mauseloch auf der Lauer ist.

Auch die Maus oder der Hamster im Nagerheim spricht durch ihr Verhalten den Jagdinstinkt der Katze an. Sie legt sich vor dem Käfig auf die Lauer und beobachtet die Maus. Die Katzen können außerdem die Töne der Mäuse im Ultraschallbereich hören. Somit vernehmen sie interessante Geräusche, die außerhalb unserer Hörfrequenz liegen. Außerdem liefert der Mäusekäfig hochinteressante Gerüche für die Katze.

Durch die Mäuse im Katzenkino hat auch die Wohnungskatze die Möglichkeit, Teile des Jagdtriebes ausleben zu können, nämlich Lauern und Beobachten. Die schnellen Bewegungen sind genau das, worauf das Katzenauge ausgerichtet ist.

Die kleinen Nager sprechen mehrere Sinne der Katze an. Sie kann einen großen Teil ihrer sensorischen Fähigkeiten nutzen und auslasten. Das aufmerksame Beobachten und Hören ist für sie anstrengend, aber letztendlich sorgt es für eine ausgeglichene Katze.

Wichtige Zusatzinformation
Kleintiere aus schlechter Haltung, die eine grundsätzliche Ängstlichkeit in sich haben, sollten für Katzen unzugänglich sein und auch nicht mitten im Trubel gehalten werden. Ebenso gibt es unter den Katzen welche, die einen extrem ausgeprägten Jagdinstinkt haben und in der Gegenwart eines Kleintieres nicht zur Ruhe kommen. In solch einem Fall sollten die Kleintiere in einem Raum gehalten werden, der für die Katze unzugänglich ist.

Aquarium mit Fischen oder Schildkröten

Das Aquarium stellt eine tolle Alternative für Menschen dar, die sich nicht vorstellen können, mit Mäusen unter einem Dach zu leben. Das Beobachten liegt der Katze im Blut und ein Aquarium bietet eine schöne Abwechslung für die Samtpfote. Viele Katzen sind fasziniert vom Wasser und den Bewohnern darin und verweilen oft stundenlang davor.

Die Aquariumbewohner schwimmen mit teils ruhiger oder blitzschnellen Bewegungen durchs Wasser und steigern damit den Reiz der optischen Verfolgung für unser Raubtier. Einige springen sogar aufgeregt rund um das Aquarium.

Achtung: Das Aquarium sollte über eine stabile Abdeckung verfügen, die einer Katze Widerstand bieten kann. Der durch die Leuchtstoffröhren erwärmte Deckel lädt so manche Samtpfote zu einem Mittagschlaf ein.

Außerdem sollte der Deckel keine all zu großen Löcher Aufweisen. Denn es gibt Katzen, die leidenschaftlich gerne mit den Pfoten nach den Fischen oder Schildkröten angeln und keine Scheu vor dem Wasser haben. Darum ist unbedingt dafür Sorge zu tragen, dass die Katze keinen der Aquarienbewohner erwischen und somit verletzen kann. Außerdem könnten durch das rausgeschnickte Wasser die Umgebung oder nebenstehende Elektronik beschädigt werden. Um das zu verhindern empfiehlt es sich, das Aquarium auf ein geeignetes Möbelstück zu stellen und die Öffnungen entsprechend abgedeckt zu halten.

Wichtig: Bitte informieren Sie sich vor der Anschaffung der Fische gründlich über die Bedürfnisse der einzelnen Fischarten, die in Frage kommen. Da auch hier das Wohl der Tiere vorgeht und sie artgerecht gehalten werden sollen.

Ein Vogelnest oder eine Futterstelle vor dem Fenster

Auch wenn Vögel nicht zum primären Beuteschema der Katzen gehören, ist diese Möglichkeit eine besonders raffinierte Alternative, um der Katze ein aufregendes Programm zu bieten, ohne großen Extraaufwand oder wenn weder Nagerkäfig noch Aquarium in Betracht kommen. Der Zeitaufwand und die anfallenden Kosten sind wesentlich geringer. So lässt sich vor dem Fenster eine Futterstelle für die wildlebenden Vögel einrichten falls man nicht das Glück hat, dass sich ein Vogelnest vor dem Fenster befindet.

Das schnelle und rege Treiben bei einer Vogelfutterstelle oder einem Vogelnest ist wie ein packender Krimi für Katzen. Man kann beobachten wie sie lauern und sich die Schnurrhaare nach vorne richten, die Katze ist in ihrem Element. Viele Katzen fangen an zu Schnattern oder auch zu Keckern. Man kann fast sagen, die Katze klappert mit den Zähnen. Dieses Verhalten zeigen Katzen, wenn sie eine Beute sehen, jedoch ohne Aussicht auf Jagderfolg. Das Schnattern hat keine Mitteilungsfunktion.

Wichtig: Bitte achten Sie auch hier auf die Sicherheit der Katze sowie die der Vögel. Fenster, die gekippt werden können, müssen immer gesichert sein. Es passieren viele tödliche Kippfensterunfälle. Auch sollte die Futterstelle so angebracht sein, das die Vögel nicht ein willkommenes Abendessen für die streunernden Katzen wird.